Mittweida

Huch! Das ist aber schon ganz schön lange her, dass ich hier mal meine sehr genialen (wer etwas anderes behauptet, wird gehauen) Gedankenergüsse losgelassen habe.

Dabei ist gar nicht mal sooo viel passiert. Und bei dem was passiert ist, kann ich etweder nicht öffentlich drüber reden (#Bewerbungen) oder will es nicht.

Aber da ich gerade aus einem langen Pfingstwochenende auf einem Bauernhof bei Flensburg – das ist FAST Dänemark! – wiedergekommen bin und mir dort irgendwie wieder dieser Blog eingefallen ist, wollte ich mal wieder in eine Art Schreibfluss kommen. Außerdem schmerzt es mich doch ein wenig, dass ich nicht mehr über meine guten und schlechten Zeiten geschrieben habe. Ich hätte es ja nicht veröffentlichen müssen. Andererseits, wo ist denn der Sinn, wenn man Blogeinträge schreibt und diese nicht veröffentlicht? Wo ist eingentlich überhaupt der Sinn? So generell? Aber ich schweife ab…

Da ich nicht einen gesamten Eintrag darüber schreiben möchte, dass ich lange nicht mehr geschrieben habe aber gerne mal wieder schreiben möchte und deshalb wieder schreiben möchte, weil ich lange nicht mehr geschrieben habe, und weil ich in meinen Draft-Ordner bei WordPress noch einen Draft gefunden habe, den ich ganz amüsant fand, möchte ich heute ein bisschen über meine Zeit in Mittweida schreiben. Ich habe nämlich in meiner ersten Woche dort (wo “dort” eigentlich ist, folgt sogleich) noch durchaus Zeit, Lust und genügend Frustration gehabt, um darüber schreiben zu wollen. Aber schon die zweite Mittweida-Woche stellte sich als Game-Changer heraus und eigentlich ist es eine ganz spannende (für mich) und süße (für Euch, wenn Ihr auf kitschige Liebesgeschichten steht SPOILER) Geschichte. Und deshalb folgt nun der Anfang des Drafts, den ich damals so, nun ja, ich möchte nicht sagen hasserfüllt… nun, des Drafts, den ich geschrieben habe. Sagen wir’s so.

 

Im Moment absolviere ich meine einmonatige Hochschulpräsenzphase an der Hochschule Mittweida. Abgesehen davon, dass dieses Konzept total dumm ist, einen Monat ausserhalb zu studieren, nur um am Ende wirklich einen anerkannten Bachelor zu bekommen, möchte ich meine Gedanken zu dieser Stadt und (nicht ganz) allem hier mal rauslassen, denn da gibt es doch Einige.

Zunächst erstmal etwas zu der “großen” Kreisstadt Mittweida.

Die Hochschulstadt[2]Mittweida ist eine Große Kreisstadt im Landkreis Mittelsachsen im Bundesland Sachsen. Sie ist Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Mittweida.

Mittweida wurde erstmals 1209 erwähnt und 1286 als oppidum (Stadt) bezeichnet. Um 1550 zählte Mittweida im Amt Rochlitz zu den mittelgroßen Städten Sachsens. Bereits im Mittelalter waren Tuchmacherei und Leinenweberei die wichtigsten Erwerbsquellen. Durch die Gründung einer Spinnerei im Jahre 1816 begann der Aufstieg Mittweidas zu einer der bedeutendsten Textilindustriestädte in Sachsen.

Während des Zweiten Weltkrieges verrichteten von Oktober 1944 bis April 1945 etwa 500 weibliche KZ-Häftlinge eines Außenlagers des KZ Flossenbürg für die C. Lorenz AG BerlinZwangsarbeit und wurden unter den Häftlingsnummern 55240 bis 55739 registriert. Mindestens zwei von ihnen, Maria Lanella und Wlaska Fedasiuk, starben unter den unmenschlichen Lagerbedingungen.[4]

Das Verbot der in Mittweida tätigen rechtsextremen freien Kameradschaft Sturm 34 und der Prozess gegen einige ihrer Mitglieder sorgten 2007 und 2008 für ein überregionales Medienecho. Die Gruppe war 2006 in Mittweida gegründet worden und hatte in der Region mehrere brutale Überfälle verübt.

Im Jahr 2009 richtete Mittweida Sachsens größtes Volksfest, den 18. Tag der Sachsen, aus.

Das sagt zumindest Wikipedia. Sachsen also.

Es ist ja nicht so, als dass ich mich im Vorfeld in irgendeiner Art und Weise schon auf meine Zeit hier gefreut hätte. Eher im absoluten Gegenteil. Ich ahnte schon was auf mich zukommen würde. Man muss nicht besonders bewandert sein um bei einer Kleinstadt in Sachsen, die nur eine (zugegebener Maßen die größte Mittelsachsens) Hochschule und die recht unmittelbare Nähe zu Chemnitz, Dresden und Leipzig zu bieten hat, die Alarmglocken klingeln zu hören.

Es kommt aber ja bekanntlich immer schlimmer als man eh schon dachte (oder so). Und deshalb befindet sich die Wohnung, in der ich mit zwei Kommilitoninnen wohne, im “wunderschönen” Zschopautal, vier Kilometer von der Universität entfernt. Jetzt könnte man natürlich, so wie ich, als ich die Wohnung mietete, den Fehler machen und denken “Was sind denn schon 4km?”. Tja. Falsch gedacht. Zu Fuß braucht man für diesen Weg mindestens eine Stunde. Auf unbefestigten Landstraßen. Ohne Laternen. Bergauf und -ab. Natürlich fährt aber ein Bus! Also, ich meine, einmal die Stunde. Bis 19 Uhr. Dann klappen hier die Bordsteine hoch und es ist Schicht im Schacht. Es gibt auch nichtmal einen Laden, eine Apotheke, einen Arzt oder Geldautomaten. Hier ist einfach Nichts.

Na ja, abgesehen von ein paar anderen Studenten, die ich schon lang nicht mehr gesehen und auf die ich mich schon sehr gefreut habe. Aber sonst… gut spazieren gehen kann man hier!

Aber zurück zu Mittweida. Egal, wo wir hinkommen, permanent werden wir von Dozenten, Professoren, Dekanen und Tutoren regelrecht angefleht uns zu überlegen ob wir nicht vielleicht hierbleiben wollen. So für immer. In “dieser schönen kleinen Stadt, die doch so viel zu bieten hat”. Und ich würde mir das ja wirklich überlegen, wenn es hier nicht so trist, verschlafen und hässlich wäre, wie es nunmal ist.

 

So viel zu Mittweida. Oder zumindest zu meinem damaligen Bild von Mittweida. Okay, nein, Moment. Eigentlich geht es mir mit Mittweida immernoch so. Die Stadt ist sau langweilig, scheiße angebunden und die Uni ist auch nicht gerade der Hammer! Aber man muss ja einfach nur Wege finden, es sich so angenehm wie möglich zu gestalten. Und für mich hieß das: So viel Zeit außerhalb der Wohnung zu verbringen wie möglich! Und so kam es dann, dass ich nach den Vorlesungen meist direkt in Mittweida geblieben bin (hence the 4 km mit dem überteuerten Gurkenbus, der nur alle drölfzig Jahre mal fuhr), um mit meinen goilen Froinden Pen&Paper-Rollenspiele zu spielen oder noch einkaufen zu gehen (bei Edeka. An Shopping war nichtmal zu denken. Der modischste Laden war Ersting’s Family und da ich weder Kinder habe, noch jemals welche in Auftrag geben würde – ich bevorzuge Hunde, die machen weniger Dreck und müssen keine Mathehausaufgaben machen – war das jetzt wohl eher nicht so ganz meine Zielgruppe.). Ab der zweiten Woche hatten wir dann auch schon kaum noch Freizeit, weil wir ungefähr jeden Tag Gruppenarbeiten machen mussten oder irgendso ‘ne Scheiße. Oft bin ich dann auch einfach abends noch 2 Stunden spazieren gegangen, das konnte man da richtig gut machen, oder war für so coole Aktivitäten, wie “crazy Roadtrip nach Leipzig – überkrass!”, “fett hypiges Paintball-Kriegsgeballer in der größten Indoorhalle Deutschlands mit ganz vielen polnischen Profizockern, aua aua” (ich hab heute noch blaue Flecke am Oberschenkel und das war im November. Es ist Mai. MAI!) oder “Katakombenführung – ein Spaziergang durch Mittweidas Kellergewölbe” am Wochenende unterwegs.

Und so war es doch eigentlich ganz gut, in diesem Kaff. Zumal total viele andere Leute auch außerhalb und somit wirklich nur so 2 Gehminuten von mir weg gewohnt haben, was sehr praktisch war.

 

Auf ein paar Sachen möchte ich allerdings nochmal gesondert eingehen. Und zwar:

Die Fahrten von Hamburg nach Mittweida und zurück waren endgeil. *ENDGEIL WOOOP WOOOP WOOOP* Wer sagt denn heute noch “endgeil”?! Jedenfalls hatte ich selten so viel Spaß in einem Auto. Aber das ist wenig überraschend, weil es ja auch sehr coole Sexy Hexys waren, mit denen ich da 5 Stunden am Stück mit engem Körperkontakt und hoher Schweißtranspiration verbringen durfte. ❤

Enger Körperkontakt bringt mich zu dem Punkt, wie ich, natürlich, wie auch sonst, direkt nach dem Aussteigen aus dem Auto, als wir gerade im WUNDERSCHÖNEN ZSCHOPAUTAL, DAS NICHT IN MITTWEIDA IST, WO ICH GEWOHNT HABE, ankamen, mit feddigen Haaren und feddigem Gesicht (weil Schweißtranspiration und so), der Person – und wirklich es musste ja unbedingt sein – begegnet bin, die ich seit der Kameraspezialisierung letztes Jahr im Januar am meisten vermisst habe. Auch wenn wir nicht viel miteinander zu tun hatten. Also eigentlich wirklich fast nix, ausser ein bisschen im Schnittraum und bei Übungen – KAMERAübungen, nicht was ihr jetzt denkt, omg. Und sofort war ich schon wieder verliebt. Verdammt. Gefühle. Egh. Sei doch mal rational! Aber nö. Ich war verliebt und verloren. So dachte ich zumindest…

Und zunächst sah es auch definitiv danach aus. Die betroffene Person, nennen wir sie aus Datenschutzgründen mal… ähm… Schmeverin. Jedenfalls diese Person, Schmeverin, hat nämlich wärend der ersten Wochen nahezu permanent von einer Kommilitonin gesprochen, die ich zwar sehr gern mochte, aber dann anfing zu hassen, weil ich mir so dumm vorgekommen bin, versucht hab, Zeit mit.. Schmeverin zu verbringen und er immer nur dieses eine Gesprächsthema zu haben schien! Und so fing ich dann an, meinen seit unserer WG-Zeit vertrautesten Vertrauten Schmennart nahezu anzuflehen, mir in dieser Sache zu helfen. Ich war verliebt, relativ unselbstbewusst und vor allem bereit dazu, um Schmeverins Herz zu kämpfen! Also halt Schmennart mir, indem er – zugegebenermaßen sehr geschickt – Dinge arrangierte, so dass ich in den Vorlesungen neben meinem Herzblatt (more like Schmerzblatt, harhar) sitzen musste/durfte und er auch beim Pen&Paper eingebunden wurde. Für diesen Einsatz bin ich dir noch immer sehr dankbar, Lennart – äh, Schmennart! Und danke auch, dass du mir so viele gute Ratschläge gegeben hast. Jetzt werde ich fast sentimental. Das geht nicht. Deshalb erstmal ein lustiges Video:

Jedenfalls habe ich es am meisten Schmennart zu verdanken, dass ich dann ziemlich schnell ziemlich jeden Tag Zeit mit Schmeverin verbracht habe. Wir sind sehr oft spazieren gegangen und auch bei allen anderen Aktivitäten mit Anderen waren er und ich irgendwie immer gleichzeitig am Start. Und trotzdem hatte ich nicht das Gefühl, dass ich irgendeine Chance hätte. Gut, ich habe in den tiefgründigen Gesprächen, die wir beim Spazieren hatten, auch immer wieder sehr dumme Sachen gesagt, wie: “Ja, Fernbeziehungen machen für mich ja überhaupt gar keinen Sinn”, was sie im Prinzip auch nicht tun, aber ich WUSSTE ja, dass es mit ihm erstmal eine Fernbeziehung sein würde! Ich wusste das! Und trotzdem kam das aus meinem Mund! Like, hab ich mich denn gar nicht unter Kontrolle?!

Na ja. Und als ich dann gedanklich schon so weit war (und tbh sich die Zeit in Mittweida auch dem Ende zuneigte), ihm endlich meine Gefühle zu gestehen und wir schon eine awkwardly lange Verabschiedungsumarmung hatten, habe ich es einfach nie über’s Herz gebracht. Sehr zur Frustration ALLER! Inklusive mir. Bis wir dann mit mehreren zum Pizzabacken verabredet waren und er vorschlug, Star Wars zu gucken.

Nun, ich muss dazu sagen, dass mich Star Wars, ähnlich wie Herr der Ringe, bis zu dem Zeitpunkt 0 interessiert hat. Ich wollte einfach nur mit ihm allein sein und da ich wusste, dass die dritte Person keine Lust auf den Film haben wird, sagte ich einfach, dass ich Bock hab. Die Person hat dann aber natürlich nicht gecheckt, dass sie nicht so ganz willkommen ist (auch, wenn sie bei mir immer willkommen ist, aber ich wollte da jemandem meine Liebe gestehen, okay?!), kam sie erstmal mit. Glücklicherweise hat sie dann doch sehr schnell gemerkt, dass das nicht ihr Film ist und hat uns zu zweit auf einem kleinen Bett, in einem dunklen Zimmer mit einem kleinen Macbook zurückgelassen. Und so kam es dazu, dass mein Kopf über die gesamte Zeit von Star Wars Episode I ganz langsam (und ich meine GANZ langsam) auf seine Schulter gerutscht ist. Und dann sein Kopf auf meinen Kopf. Und dann war der Film vorbei. Und dann bin ich nach Hause gegangen.

 

Nein, Scherz. Dann hab ich da übernachtet, was total bescheuert war. Irgendwann haben wir uns dann auch mal total bescheuert geküsst und am nächsten Morgen wussten wir beide nicht was wir jetzt sind, weil wir zu schüchtern waren. Dass wir am Ende überhaupt zusammen gekommen sind, grenzt schon an ein Wunder. Srsly. Noch nie hat sich jemand so doof angestellt, wie wir beide.

Jedenfalls stellte sich heraus, dass er mich auch schon seit der Kameraspezialisierung gut fand und seit dem sind wir zusammen. (Ich schreib hier mal auf, dass es der 11.11.2015 war, damit ich das mal nachlesen kann, falls ich das vergessen sollte.) Das ist jetzt schon ein halbes Jahr her und mittlerweile ist er auch schon nach Hamburg gezogen (das hatte er eh vor, sonst hätte ich mich auch nicht darauf eingelassen. Fernbeziehungen sind schließlich voll scheiße.). Und das ist alles ganz toll und so!

 

Was ich auch nicht unerwähnt lassen möchte, sind die Medientage, an denen wir verschiedene Sprecher hören durften, die dann über ihre Tätigkeiten geredet haben. Zum Beispiel so ein komischer YouTuber, der über YouTube gesprochen hat oder die Produzentin vom Tatortreiniger oder der Typ von den SFX in Game of Thrones und sowas. Das war sehr interessant. Aber mehr kann ich dazu jetzt auch nicht mehr schreiben. Ich bin auch müde. Ich hab über 2000 Wörter geschrieben, das wird sich eh keiner durchlesen. Jetzt muss ich irgendwo einen Witz oder ein Rätsel verstecken, damit sich Leute das durchlesen. Egh. Oder ich lass es einfach, weil ich faul bin. Ja, das klingt nach einer guten Option.

 

In diesem Sinne

Adieu mit Ö

-J-

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Kindheit verkehrt.

Mir ist heute aufgefallen, dass Eltern sich nur melden, wenn sie ein Problem haben.

Mama: “Mein PC spinnt ein bissel”
Ich: “Du spinnst ein bissel”

Sollte das nicht eigentlich andersrum sein? Sollte ich nicht eigentlich mit jedem Problem zu meinen Eltern rennen? Sollten DIE nicht eigentlich MIR helfen? Ich dachte das dreht sich erst um, wenn die im Rentenalter sind…

BIN ICH SCHON SO ERWACHSEN?!

-J-

You know what really grinds my gears?

Leute, die in Nostalgie schwelgen, haben einfach das Roßmann-Prädikat. Ich meine, das Ultra-Nervig-Prädikat, das alle Roßmann-Produkte brauchen um wirklich valide zu sein, alles andere ist Müll. Das stimmt natürlich nicht, aber alle Produkte kriegen so einen tollen Stempel draufgeklatscht und den Mist nochmal besonders zu betonen. Nostalgische Menschen sind wie diese Produkte. Binden jedem auf die Nase, dass sie bei Sachen dabei waren, die heute (meist zurecht) ausgestorben sind und genau dieser Fakt macht sie zu viel besseren Menschen, als dich.

Da ich 92 geboren bin, werde ich oft von Menschen ab 40 als “Digital Native” bezeichnet. Eigentlich okay, schließlich bin ich ziemlich früh schon an Technik herangeführt worden und konnte sie somit viel leichter adaptieren, als meine Eltern oder meine Oma. Aber dass einem als digitalem Indianer gleich unterstellt wird, man würde “die gute alte Zeit” ja gar nicht schätzen können, weil man’s ja gar nicht mitbekommen hat – ach und früher war ja eh alles besser, das finde ich ziemlich ätzend. Klar, ein halb ironisches “Na, ihr Digital Natives” von Jan Böhmermann ist etwas vollkommen anderes als “Hach ja, ihr Digital Natives (das ist ein Wort das ich letztens in der Zeit gelesen habe), ihr habt’s ja so viel leichter und früher war alles besser.” von einem Dozenten.

Mein Problem hier ist nicht unbedingt immer das “früher war alles besser”. Früher war mit Sicherheit nicht alles besser. Dass es keine Handys gab, oder Internet war sicherlich oft auch ziemlich scheiße, sonst wären diese Sachen ja gar nicht erst erfunden worden. Mein Problem ist viel mehr die Unterstellung, dass wir Digital Natives (und ich bin mir immer noch nicht sicher, ob ich genau so ein Native bin, wie ein 3jähriges Kind mit iPad in der Hand, aber lassen wir das mal dahingestellt) – dass wir Digital Natives alles was vor den aktuellen Entwicklungen war einfach gar nicht mehr kennen.

Ob moderne Gamer nicht mehr wissen, dass man bevor es Heimkonsolen gab noch in die Arcaden gehen musste um spielen zu können? Ernsthaft?

Es beleidigt mich zutiefst, wenn Leute meinen, dass Dinge – nur weil sie überholt sind – einfach aus dem Gedächtnis der Menschheit verschwinden. Viel mehr zweifle ich an der Integrität dieser Leute und an ihrem Verstand.

“Ob die Kids von heute wohl überhaupt noch wissen, was eine Schallplatte ist? Oder gar eine Kassette??”

Ob die Menschen, die sich solche Fragen stellen, wohl wissen, dass Schallplatten, Kassetten, Spielautomaten, VHS, Dia-Projektoren, Filmkameras, usw. schon so einen Kultstatus erlangt haben, dass sie einfach allen “Kids”, die diese Dinge natürlicher Weise kennen, mal eben so vor den Kopf gestoßen haben? Diese Unterstellungen der Unwissenheit sind nämlich so unglaublich frech, dass es einfach wehtut.

Ich will jetzt gar nicht damit anfangen, dass meine Generation eh schon als die “Generation Doof” verklärt wurde. Ein Titel, den keiner mehr gutmachen kann und extrem an unserem Selbstbewusstsein gekratzt hat. Und das alles nur, weil ein paar alte Säcke glauben, dass die Gesellschaft, bloß weil sie nicht mehr so ist, wie sie sie kennen, plötzlich ganz schlimm ist. Weil diese alten Säcke sich für etwas besseres halten und einen Sündenbock brauchen für Veränderung, mit der sie nicht klarkommen. Und weil alle Menschen sich gerne für besser halten, als die Generation nach ihnen (was übrigens einfach Gesellschaftswissenschaftlich natürlich ist. Eltern verstehen ihre Teenies zuhause auch einfach nicht.), hat der Titel sich verfestigt und wir sind jetzt auch in echt die Doofen. Aber ich wollte ja gar nicht damit anfangen.

Wenn allerdings schon Leute mit Mitte 20 anfangen, von der guten alten Zeit zu schwärmen, als man noch richtige Videospiele gespielt hat, dann finde ich das äusserst bescheuert. In Nostalgie zu schwelgen ist ja gar nicht schlimm. Solang es nur nicht zum “in Nostalgie versinken” ausartet. Früher war alles anders, das stimmt. Das stimmt immer. Aber früher war nicht alles besser. Rechtschreibreformen waren früher schon genau so scheiße wie heute. Leute regen sich schon seit anbeginn der aufklärerischen Zeit darüber auf, dass die Gesellschaft immer mehr verkommt. Dabei entwickelt sie sich nur. Ich kann nur alle Menschen beruhigen, die Angst davor haben, dass die Kids von heute nicht mehr wissen, was eine Kassette ist – die wissen das. Und würde die Kassette wirklich aus den Gedanken verschwunden sein, hätte keinen Kult-Status, dann würdet ihr euch auch nicht mehr so lebendig daran erinnern, wie ihr früher ja noch Lieder aus dem Radio mitgeschnitten habt und manchmal die Verkehrsnachrichten kamen. Aus den Augen, aus dem Sinn trifft auch auf die Gesellschaft zu. Wäre die Schallplatte tatsächlich ausgestorben, würden auch keine mehr gepresst werden, würden die Leute sie nicht mehr benutzen, würde keiner mehr darüber reden, würden die Kinder sie nicht mehr kennen, würden wir uns alle nur noch dunkel mal daran erinnern, was das mal war und wie schade es ist, dass diese Zeiten vorbei sind, wir älter werden, aber wie gut es ist, dass es jetzt MP3-Player gibt.

-J-

Feelings In Music

Manchmal sagt Musik so viel mehr, als man selbst kann. Und immer dann, wenn ich irgendwas fühle – was glücklicherweise fast durchgehend der Fall ist – nehme ich Musik als Projektion meines Inneren. Manchmal sind das die allerschönsten Glücksgefühle. Und manchmal ist es ein gebrochenes Herz oder Trauer.

Mia. – Musik

Und so kommt es, dass ich die Lieder, in die gerade das meiste Herz hineinlege, einmal aufschreiben möchte. Es sind nicht alle Lieder, die ich so höre, aber sie sind ein Konzentrat des Status quo. Und da die letzten Wochen für mich eher eine sehr melancholische Phase waren und mein Herzchen viel einstecken musste, ich es sogar ein bisschen mies behandelt habe, ist diese Playlist nicht die fröhlichste.

Aber eine mit viel Hoffnung und Liebe drin.

Weil Liebe und Angst nicht zusammenpassen.

Meine FEELS-Playlist.

Titel:

  • Rien ne va plus – Mia.
  • Yvette – Marek Hemmann
  • A Real Hero – College & Electric Youth
  • Berlin – RY X
  • Lost In Weltschmerz – TANGOWERK by NHOAH, Mieze Katz
  • Blaue Augen – Ideal
  • Saturday – Big Fox
  • Hungriges Herz – Eurovision – Mia.
  • Neu programmiert – Mia.
  • Right (feat. Fabian Reichelt) – Marek Hemmann
  • Something About Us – Daft Punk
  • Liebe – Kraftklub
  • Das traurigste Mädchen der Stadt – Fettes Brot
  • Hoffnung – Mia.
  • Good Worker – Iamamiwhoami
  • Angels – The xx
  • Bruises – Chairlift
  • Mausen – Ian Pooley Main Remix – Mia.
  • Fallschirm – Tocadisco Remix – Mia.

Manchmal ist es das Feel der Melodie, manchmal die Aussage und manchmal auch einfach nur ein einziges Wort, das ein Lied zu einem Herzenssong macht.

-J-