Die Chroniken der Kanalisation

Ihr wolltet meine Meinung? Ihr kriegt sie!

You seriously thought this was a good thing to do?

And you seriously thought it was a good idea to make this movie?

Ich habe wirklich überlegt, ob ich eine Review zu diesem Film schreiben soll. Wirklich. So ein richtiger Text mit Einleitung, Hauptteil und Schluss! Und eigentlich hatte ich sogar noch richtig Lust dazu, als der Film dann anfing. Sätze wie “In diesem Film gibt es kein langes Vorgeplänkel, da geht’s gleich richtig zur Sache!”, oder “Diese Dämonen sehen echt gruselig aus!” gingen mir schon durch den Kopf, doch später wurde das alles durch “Ugh” und “Ich fasse es nicht, dass die das so gemacht haben” ersetzt. Aber zunächst zur Story:

Es geht um einen Kelch. Clary’s Mutter hat diesen Kelch versteckt. Der Bösewicht sucht diesen Kelch.

So, das war die Story.

Wer jetzt denkt, dass das jetzt nicht so wirklich innovativ oder gar interessant klingt, der hat eindeutig recht. Nun habe ich das Buch nicht gelesen (und ich habe es auch nicht vor), aber der Film war so grandios langweilig und unerhört peinlich, dass mir gar nicht genügend Adjektive einfallen könnten, um dieses Machwerk gebührend zu dissen! Eigentlich war an der Geschichte nicht das kleinste Stück selbst erdacht. Frei heraus hat man einfach alles geklaut, was man kriegen konnte – und plötzlich bekommt die Raubkopierer-Werbung am Anfang einen ganz neuen ironischen Ton. Harry Potter, Buffy, Star Wars, Twilight, Wächter der Nacht, und und und… Sucht euch was aus, es ist von allem was dabei!

Das wäre aber alles nicht so schlimm, wenn da nicht diese lieblos auf die Story geklatschte Liebesgeschichte wäre. Apropos “Twilight”, ich habe alle Filme gesehen und sie sogar ganz okay gefunden. Und hält man die Filme gegen “Chroniken der Unterwelt”, werden diese plötzlich zu den totalen Meisterwerken der Filmkunst! Mal ernsthaft, wenn der Jace die Clary nach 5 Minuten Unterhaltung schon eifersüchtig ankeift und Dinge sagt, wie: “Unsere Liebe bedeutet dir wohl gar nichts!” – WER SOLL DAS ERNSTNEHMEN?! Und dieser andere komische Charakter, der drei Sätze hat und den Rest der Zeit sterbend in der Ecke liegt, was geht mit dem? Oh, verstehe. Hier wurde einfach mal ganz tief in der Trope-Kiste gewühlt und daraus dann eine “Story” zusammengewürfelt. So schreibe ich auch Bücher. Und die darauf folgenden Drehbücher.

Zu allem Übel kommt auch noch dazu, dass man den Film echt kaum gucken kann. Die Kameraführung ist… einfach grottig. Keine Ahnung, was da schief gelaufen ist. Die Bildausschnitte sind teilweise so, dass man die sprechende Person nicht sieht. Sogar ganz am Anfang habe ich mich gefragt, ob das Bild unscharf ist, oder ob ich eine Brille brauche. Aber natürlich sind meine Augen total in Ordnung, nur die vom Filmteam offensichtlich nicht! Oder, nein warte, ich weiss wo das Problem liegt: es wurde teilweise mit dem falschen Equipment gearbeitet, falsche Linsen benutzt mit der falschen Brennweite. Irgendwer am Set war einfach dumm. Geir Hartly Andreassen? Fühlst du dich angesprochen?

Die Kameraführung ist grausig, der Film ist geschnitten wie ein Musikvideo (Joel Negron, wtf srsly dude), die deutsche Synchro ist unterdurchschnittlich. Die Charaktere sind so unglaubwürdig wie David Hasselhoff, diese Lens Flares waren… immernoch besser als die in Star Trek. Das einzig hübsche an dem Film war das CGI. Da hat sich wirklich jemand Mühe gegeben, denn die Wächter der Stille und der Hundedämon waren echt cool.

Cool war auch die Ghostbusters-Referenz relativ am Anfang des Films. Da hätte ich gar nicht mit gerechnet, aber wahrscheinlich war ich auch die einzige, die das überhaupt verstanden hat, wenn man bedenkt, dass der Film offensichtlich an pubertierende Teenager gerichtet ist. Aber selbst das soll den Film nicht rechtfertigen, nö. Nur weil etwas an Teenager gerichtet ist, muss es noch lange nicht so unglaublich hässlich, dumm und schlecht sein. Ich bin so sauer auf diesen Film! Verdammt nochmal!

Als Clary dann abschliessend zu ihrer (schlafenden????) Mutter sagte: “Ich verstehe jetzt warum du das alles [mit dem Kelch da] gemacht hast, Mom”, sagte ich nur laut in Richtung Leinwand: “Ja? Weil ich hab das nämlich nicht verstanden!”.

Und davon werden noch vier (??) Fortsetzungen erscheinen…

Eigentlich bin ich nur froh, dass wir uns nicht “Feuchtgebiete” angesehen haben.

-J-

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“Mama”

Gestern war ich mit meiner lieben Freundin Anastasia im Kino. Ich hatte endlich die Gelegenheit meine Gutscheine einzulösen, die sie mir zum Geburtstag geschenkt hatte und gab ihr den Film aus, denn letztes Mal hatte sie für mich gezahlt.  Wir hatten uns am Nachmittag spontan entschieden “Mama” zu sehen.

“Mama” ist eine spanisch-kanadische Horrorfilmproduktion von Andrés Muschietti und basiert auf dem Kurzfilm “Mamá” von 2008, der ebenfalls von Muschietti ist.

Mamá (2008 Spanish short film) from Pablo Sierra on Vimeo.

Und wenn man den Kurzfilm so ansieht, dann bekommt man schon ein recht gutes Gefühl, wie “Mama” ist. Diese Szene ist sogar (ein wenig abgeändert) auch im Endergebnis enthalten und dort noch sehr viel eindrucksvoller. Auch der Trailer, den wir schon vor zwei Monaten gemeinsam gesehen hatten, sah sehr vielversprechend aus.

Der Film beginnt damit, dass der Vater der zwei Mädchen Lily und Victoria (zu dem Zeitpunkt 1 und 3 Jahre alt) zunächst seine Frau (und seine Arbeitskollegen – Finanzkrise 2008 und so) umbringt und später dann mit ihnen viel zu schnell eine verlassene Landstraße entlangfährt. Nach klassischen Horrrorfilmregeln verliert er die Kontrolle über das Steuer und fährt das Auto direkt in den naheliegenden Wald und in dessen Bäume. (Und ich dachte fast, ich säße in Silent Hill) Natürlich bleiben alle Beteiligten unverletzt und wandern im tiefsten Winter im Dickicht des Waldes umher bis sie eine kleine Holzhütte finden. Dort gehen sie hinein und das ältere Mädchen sieht bereits die Gestalt einer Frau, worauf der Vater nicht eingeht, weil er psychisch komplett am Ende ist, schließlich hat er gerade seine Frau getötet. Als er dann auch sein eigenes und das Leben seiner Kinder beenden möchte, wird er von der Geistergestalt, ähm, davon abgehalten. Von diesem Moment an sind die Mädchen auf sich allein gestellt, während ihr Onkel und Bruder ihres Vaters 5 Jahre braucht um sie zu finden…

Und viel mehr darf man auch gar nicht von dem Film erzählen. Auch weiter Teaser, Trailer und Filmausschnitte würde ich mir nicht ansehen, denn dadurch nimmt der Grusel doch gehörigen Schaden. Das ist jedoch bei jedem Horrorfilm so. Ich habe mir jedenfalls sehr gegruselt und konnte an vielen Stellen nicht einmal hinsehen (Ich bin aber auch ein ganz schöner Angsthase. Anm. d. Red.). Die Schauspieler leisten allesamt großartige Arbeit. Auch cinematographisch ist der Film großartig, man wird als Zuschauer nur an ausgewählten Stellen eingeladen, das Monster zu sehen, fühlt sich jedoch niemals von der Action ausgeschlossen. Auf Schockeffekte wurde größtenteils auch verzichtet, beziehungsweise wurden jene Effekte clever eingesetzt und nicht als billiger Gruseleffekt genutzt, denn den alten “Buuh!! Da komm ich plötzlich ins Bild!”-Effekt kann ja nun wirklich keiner mehr sehen.

Alles in Allem werden in “Mama” klassische Horrorfilmmanieren auf eine clevere und nicht übertriebene Weise mit einer neuen und innovativen Story kombiniert, welche vom Pacing und von der allgemeinen cinematographischen Leistung her perfekt umgesetzt ist. Auf diese Weise sitzt man als Zuschauer nicht gähnend im Kinositz und schaut alle 10 Minuten auf die Armbanduhr, sondern fiebert mit, ist gespannt wie sich die Story auflöst und gruselt sich währenddessen gehörig. (Zumindest, wenn man ein Angsthase ist, für alle anderen kann ich nicht sprechen.) Und genau das ist auch, worauf alle Kinogänger und Filmfans sehr lange warten mussten. Die letzten Jahre bekam man ja nur halbherzige Möchtegerngrusler für 13jährige Mädchen, wie zum Beispiel “Paranormal Activity” oder Slasher. Innovation ist in Hollywood in diesem Genre, wie auch in jedem anderen Genre auch, ein seltenes Phänomen und genau deswegen gefällt mir dieser Film sehr gut.

Ob man den Film im Kino sehen möchte, oder lieber daheim bei Kerzenlicht und Gruselstimmung ist Geschmackssache. Ein abgedunkelter Raum ist jedoch dringenst empfohlen.

Mich interessiert auch eure Meinung dazu! Wie haben euch der Kurzfilm und der Trailer gefallen? Und falls ihr den Film schon gesehen haben solltet, wie fandet ihr ihn?

-J-