You know what really grinds my gears?

Leute, die in Nostalgie schwelgen, haben einfach das Roßmann-Prädikat. Ich meine, das Ultra-Nervig-Prädikat, das alle Roßmann-Produkte brauchen um wirklich valide zu sein, alles andere ist Müll. Das stimmt natürlich nicht, aber alle Produkte kriegen so einen tollen Stempel draufgeklatscht und den Mist nochmal besonders zu betonen. Nostalgische Menschen sind wie diese Produkte. Binden jedem auf die Nase, dass sie bei Sachen dabei waren, die heute (meist zurecht) ausgestorben sind und genau dieser Fakt macht sie zu viel besseren Menschen, als dich.

Da ich 92 geboren bin, werde ich oft von Menschen ab 40 als “Digital Native” bezeichnet. Eigentlich okay, schließlich bin ich ziemlich früh schon an Technik herangeführt worden und konnte sie somit viel leichter adaptieren, als meine Eltern oder meine Oma. Aber dass einem als digitalem Indianer gleich unterstellt wird, man würde “die gute alte Zeit” ja gar nicht schätzen können, weil man’s ja gar nicht mitbekommen hat – ach und früher war ja eh alles besser, das finde ich ziemlich ätzend. Klar, ein halb ironisches “Na, ihr Digital Natives” von Jan Böhmermann ist etwas vollkommen anderes als “Hach ja, ihr Digital Natives (das ist ein Wort das ich letztens in der Zeit gelesen habe), ihr habt’s ja so viel leichter und früher war alles besser.” von einem Dozenten.

Mein Problem hier ist nicht unbedingt immer das “früher war alles besser”. Früher war mit Sicherheit nicht alles besser. Dass es keine Handys gab, oder Internet war sicherlich oft auch ziemlich scheiße, sonst wären diese Sachen ja gar nicht erst erfunden worden. Mein Problem ist viel mehr die Unterstellung, dass wir Digital Natives (und ich bin mir immer noch nicht sicher, ob ich genau so ein Native bin, wie ein 3jähriges Kind mit iPad in der Hand, aber lassen wir das mal dahingestellt) – dass wir Digital Natives alles was vor den aktuellen Entwicklungen war einfach gar nicht mehr kennen.

Ob moderne Gamer nicht mehr wissen, dass man bevor es Heimkonsolen gab noch in die Arcaden gehen musste um spielen zu können? Ernsthaft?

Es beleidigt mich zutiefst, wenn Leute meinen, dass Dinge – nur weil sie überholt sind – einfach aus dem Gedächtnis der Menschheit verschwinden. Viel mehr zweifle ich an der Integrität dieser Leute und an ihrem Verstand.

“Ob die Kids von heute wohl überhaupt noch wissen, was eine Schallplatte ist? Oder gar eine Kassette??”

Ob die Menschen, die sich solche Fragen stellen, wohl wissen, dass Schallplatten, Kassetten, Spielautomaten, VHS, Dia-Projektoren, Filmkameras, usw. schon so einen Kultstatus erlangt haben, dass sie einfach allen “Kids”, die diese Dinge natürlicher Weise kennen, mal eben so vor den Kopf gestoßen haben? Diese Unterstellungen der Unwissenheit sind nämlich so unglaublich frech, dass es einfach wehtut.

Ich will jetzt gar nicht damit anfangen, dass meine Generation eh schon als die “Generation Doof” verklärt wurde. Ein Titel, den keiner mehr gutmachen kann und extrem an unserem Selbstbewusstsein gekratzt hat. Und das alles nur, weil ein paar alte Säcke glauben, dass die Gesellschaft, bloß weil sie nicht mehr so ist, wie sie sie kennen, plötzlich ganz schlimm ist. Weil diese alten Säcke sich für etwas besseres halten und einen Sündenbock brauchen für Veränderung, mit der sie nicht klarkommen. Und weil alle Menschen sich gerne für besser halten, als die Generation nach ihnen (was übrigens einfach Gesellschaftswissenschaftlich natürlich ist. Eltern verstehen ihre Teenies zuhause auch einfach nicht.), hat der Titel sich verfestigt und wir sind jetzt auch in echt die Doofen. Aber ich wollte ja gar nicht damit anfangen.

Wenn allerdings schon Leute mit Mitte 20 anfangen, von der guten alten Zeit zu schwärmen, als man noch richtige Videospiele gespielt hat, dann finde ich das äusserst bescheuert. In Nostalgie zu schwelgen ist ja gar nicht schlimm. Solang es nur nicht zum “in Nostalgie versinken” ausartet. Früher war alles anders, das stimmt. Das stimmt immer. Aber früher war nicht alles besser. Rechtschreibreformen waren früher schon genau so scheiße wie heute. Leute regen sich schon seit anbeginn der aufklärerischen Zeit darüber auf, dass die Gesellschaft immer mehr verkommt. Dabei entwickelt sie sich nur. Ich kann nur alle Menschen beruhigen, die Angst davor haben, dass die Kids von heute nicht mehr wissen, was eine Kassette ist – die wissen das. Und würde die Kassette wirklich aus den Gedanken verschwunden sein, hätte keinen Kult-Status, dann würdet ihr euch auch nicht mehr so lebendig daran erinnern, wie ihr früher ja noch Lieder aus dem Radio mitgeschnitten habt und manchmal die Verkehrsnachrichten kamen. Aus den Augen, aus dem Sinn trifft auch auf die Gesellschaft zu. Wäre die Schallplatte tatsächlich ausgestorben, würden auch keine mehr gepresst werden, würden die Leute sie nicht mehr benutzen, würde keiner mehr darüber reden, würden die Kinder sie nicht mehr kennen, würden wir uns alle nur noch dunkel mal daran erinnern, was das mal war und wie schade es ist, dass diese Zeiten vorbei sind, wir älter werden, aber wie gut es ist, dass es jetzt MP3-Player gibt.

-J-

Feelings In Music

Manchmal sagt Musik so viel mehr, als man selbst kann. Und immer dann, wenn ich irgendwas fühle – was glücklicherweise fast durchgehend der Fall ist – nehme ich Musik als Projektion meines Inneren. Manchmal sind das die allerschönsten Glücksgefühle. Und manchmal ist es ein gebrochenes Herz oder Trauer.

Mia. – Musik

Und so kommt es, dass ich die Lieder, in die gerade das meiste Herz hineinlege, einmal aufschreiben möchte. Es sind nicht alle Lieder, die ich so höre, aber sie sind ein Konzentrat des Status quo. Und da die letzten Wochen für mich eher eine sehr melancholische Phase waren und mein Herzchen viel einstecken musste, ich es sogar ein bisschen mies behandelt habe, ist diese Playlist nicht die fröhlichste.

Aber eine mit viel Hoffnung und Liebe drin.

Weil Liebe und Angst nicht zusammenpassen.

Meine FEELS-Playlist.

Titel:

  • Rien ne va plus – Mia.
  • Yvette – Marek Hemmann
  • A Real Hero – College & Electric Youth
  • Berlin – RY X
  • Lost In Weltschmerz – TANGOWERK by NHOAH, Mieze Katz
  • Blaue Augen – Ideal
  • Saturday – Big Fox
  • Hungriges Herz – Eurovision – Mia.
  • Neu programmiert – Mia.
  • Right (feat. Fabian Reichelt) – Marek Hemmann
  • Something About Us – Daft Punk
  • Liebe – Kraftklub
  • Das traurigste Mädchen der Stadt – Fettes Brot
  • Hoffnung – Mia.
  • Good Worker – Iamamiwhoami
  • Angels – The xx
  • Bruises – Chairlift
  • Mausen – Ian Pooley Main Remix – Mia.
  • Fallschirm – Tocadisco Remix – Mia.

Manchmal ist es das Feel der Melodie, manchmal die Aussage und manchmal auch einfach nur ein einziges Wort, das ein Lied zu einem Herzenssong macht.

-J-